aus Trivialmystik des Alltags und Sprache der Form
Heinz Weißflog, Dresden

(…)Katja Sehl aus Berlin schöpft aus dem Fundus des Alltäglichen. In ihrem hortus conclusus (verschlossenen Garten) entstehen Collagen und seltsame, buchartige Bestiarien mit realen und medialen Fundstücken. Der Garten ist dabei das Atelier, aber auch das sich in die Kunst zurückziehende ich, aus dem es seinen Reichtum schöpft. Nach langer Suche entsteht plötzlich, einer Idee folgend, die Art des Zusammenlegens der Versatzstücke, die dann spontan geklebt werden. Neuordnungen und Eingriffe verändern das jeweilige Bild, bis ein Zustand der Deckungsgleiche mit ihren Vorstellungen hergestellt ist. Manchmal schreint sie ihre Gedanken und Gefühle in Acrylglaskästen ein, die sie wie kostbare Artefakte eigener Befindlichkeiten hütet. Auf den Collagen bleiben Riss-und Schneidespuren bewusst stehen. Provisorisches und nature morte verbinden sich zu seltsamen Trivialmystiken alltäglicher Dinge und Begebenheiten. Schriftspuren und eigene Texte überziehen manche Arbeiten, in denen sich eher eine surreale Motivik verbirgt. Neben einer schwarzen Fläche der mit Bleistift auf das Weiß der anderen Bildhälfte geschriebene Handschuh des großen Zauberers. Das Verlorene Paradies und der Garten der Lüste treffen in einem dreiteiligen Bild aufeinander, das man aufklappen kann: In einem bunten Gewirr von Formen und Farben kristallisiert sich der schöne Schein der neuen Welt mit seinen Versprechungen vom großen Glück. Zugeklappt erscheint ein schwarz-weißes Raster (die Öde des Schöpfungsaktes anzeigend: wie liegt die Erde so wüst…).
Die Idee des Gartens als innerer Glückszustand und als bloß versprochener Schein blühender Landschaften drängt sich auf, wie auch der Gedanke an die maßlose Weltinbesitznahme durch den vom Fleisch regierten Menschen, vor der schon Hieronymus Bosch mit seinem berühmten Bild warnte.